18.9.07

Horrorkabinett

Hirschlausfliegen. Schonmal gehört? Danke, ich auch nicht. Namentlich vorgestellt haben sie sich mir nicht, als sie in Scharen von den Bäumen sprangen, um ihre kleinen Fangarme in unsere Haare zu krallen und in den Wahnsinn zu treiben. Sie leben, haben Babys und wohnen - im Fell ihres Wirtes. Also mir! Inakzeptabel!
Den Wald soll ich meiden im Herbst, sehr witzig. Ein Blick aus dem Fenster sagt mir, das wäre gleichbedeutend mit Stubenarrest. Nicht gänzlich unattraktiv an einem regnerischen grimmigen Tag wie diesem, aber der gestrige regnerische freundliche Tag, ja, den hätte ich schon vermisst.
Also gehen wir weiterhin raus - wenn auch etwas paranoid um uns schlagend...

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3.9.07

Zap!


Da hat man uns einfach das Licht ausgeschaltet...
Gestern war Saunatag und als die Sauna fast fertig angeheizt war, fiel das bis dahin gänzlich mittagsschlafresistente Kind in einen so tiefen Schlummer, dass wir uns kichernd wie Schulmädchen mit einem Babyphon in der Hand zweisam zur Sauna schlichen. Natürlich mit Bier und Wurst, um anschließend ein romantisches, rustikales finnisches Saunaessen zu genießen.
Und in puncto Romantik ließ sich die Natur dann auch einiges einfallen. Als wir aus der Sauna kamen, begrüßten uns die ersten Ausläufer eines beeindruckenden Gewitters, mit dem Effekt, dass es stockfinster war und ich im Takt der Blitze unsere Sachen einsammelte und zum Haus lief. Naja, nass waren wir ja sowieso. Kaum im Haus angekommen, dachte sich der Romantikbeauftragte im Himmel, das sei nicht genug und schaltete uns spontan den Strom im ganzen Haus aus. Kein PC, kein Fernseher, nichts störte unser romatisches Candle-Light-Dinner. Nur die tosenden Wassermassen, die an unserem Holzhäuschen abprallten.

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27.8.07

Morbides Glück

Ich bin ja eigentlich keine gute Biologin mehr. Früher noch todesmutig an Felshängen hängend gehangen, habe ich heute den Hang verloren mich an Hänge zu hängen, durch Sümpfe zu sumpfen und stundenlang mit Morast zu rasten. Heute bleiben nur noch dumpfe Wortspiele und der sehnsüchtige Blick.
Es schwirrt ein glitzerndes Tier an mir vorbei... Oh! Eine Libelle... eine dings... Libelle. Die müsste man jetzt einfangen und bestimmen. Aber nach hause? Netz und Buch holen? Achwas, ist ja auch nicht so wichtig. Es war bestimmt keine aufregende Libelle.
Aber ich hab ja noch den Hund. Den Hund, der keine Artenbestimmungen liest und sich für Umweltschutz nur insoweit interessiert, als dass ihm die Pieselbäume nicht ausgehen mögen. SCHNAPP! Hatte er das begehrte Glitzertier im Maul und spuckte es mir vor die Füße, sich im Todeskampf windend. Aufopfernd. So konnte ich das Tier korrekt als Gemeine Smaragdlibelle katalogisieren.
Neben der Rötelmaus. Mir letztens von meiner Katze vor die Füße gespuckt...

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5.8.07

Erddrache


Ein kleiner Erddrache hat hinter unserem Haus einen Schatz gehütet. Er tauchte auf, als ich mich an den Früchten eines wundersamen Johannisbeerbusches bediente. Sie. Eine junge Waldeidechsenfrau. Wir haben viele Rote Johannisbeerbüsche im Garten, aber nur dieser eine, gedrungen und verknöchert wie ein buckliger Mann, trägt Früchte wie aus einem Füllhorn, prall, süß und tiefrot. Er trug allein mehr als sieben andere große Büsche. Welcher Geist auch immer dort wohnt, ich habe ihm meinen Schutz und Dank angeboten. Heute war reiche Kräuterernte, ich habe die letzten Kräuter gesammelt und zum Trocknen aufgehängt, Kamille, Mädesüß, Johanniskraut, Goldrute, Breitwegerich, Gänsefingerkraut und Schafgarbe. Jetzt sollten wir für den Winter gerüstet sein. Ab morgen werden ein paar Herbstkräuter gepflanzt, die fleißig gekeimt haben, ein paar Minzen, Salbei... und nein, nicht Myrrhe. Aber immerhin Lavendel.

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28.7.07

Jetzt ist Sense!


In Finnland gibt es keine Rasenmäher. Es gibt keine Katzen in Amerika. Unter diesem Motto habe ich heute mit der Seele einer Magd unsere Wildwiese ruiniert. Und dabei von Pferden geträumt. Ich bin völlig raus aus dem Stadtleben, nichts ist mehr übrig von der anpassungsfähigen Citykrähe. Ich schaue mir Stallunterlagen an und stelle erfreut fest, dass man unsere drei Pferdeboxen in eine große Box umwandeln kann. Und dann entdecke ich die Wendy in mir und sense unsere Reitwiese kahl, bis zu den jungen Bäumchen. Die Bäumchen weichen erschrocken zurück, haben sie doch richtig in meinem Blick die Säge erkannt. Noch dürft ihr wachsen, aber ihr steht mitten in meinem Longierhof! Ich bin mir nicht sicher, ob sie wissen was das bedeutet. Ich bin mir nichtmal sicher, ob das je passieren wird. Aber ein bisschen bedrohlich werde ich sie noch anfunkeln.

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